Wirtschaft Köln unplugged – Folge #53

Katharina Hamma: Ich weiß, dass ver.di vorhat, das Thema Ausstattung – und zwar ergonomische Ausstattung, nicht nur technische Ausstattung – im Home-Office mit in die Tarifverhandlungen aufzunehmen, weil sie das auch geregelt haben möchten.


Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, wir, die IfficienT GmbH, freuen uns sehr darüber, den heutigen Podcast präsentieren zu dürfen.

Stefan Merx: Hallo und herzlich Willkommen zu Wirtschaft Köln unplugged. Wie geht es Ihnen? Machen Sie gerne hin und wieder Home-Office? Auch wenn ja die Pflicht dazu schon seit dem 20. März weggefallen ist, faktisch ist es so: Fast ein Viertel der deutschen Beschäftigten arbeitet heute noch zumindest teilweise im Home-Office. Das hat jüngst das Münchener ifo Institut gemeldet. Und das entspricht auch dem Wunsch der allermeisten Menschen: wenigstens ab und zu auf die Pendelei ins Büro zu verzichten. Denn effizient arbeiten lässt es sich ja auch daheim, das haben wir in den Corona-Zeiten gelernt.

Doch wie steht es um die Möbel? Hockt man eher krumm am Küchentisch? Ist der Arbeitsplatz zu hell oder zu funzelig beleuchtet? Arbeiten zuhause muss gesund sein – und dafür braucht es die richtige Ausstattung. Mit dieser Überzeugung hat Katharina Hamma mitten in der Pandemie ihr Unternehmen myHomice gegründet. Die Online-Plattform myHomice.de vermittelt über ein Gutscheinsystem die ergonomisch vernünftigen Wunsch-Schreibtische, Stühle und Lampen für daheim. Bezahlt wird vom fürsorglichen Arbeitgeber, aber aussuchen darf sich die Stücke der Arbeitnehmer. Schließlich sind die Geschmäcker verschieden und es geht ja auch um die eigene Wohnung – da soll der Stuhl schon gut reinpassen.

Katharina Hamma ist keine Unbekannte in Köln. Viele Jahre hat sie als Geschäftsführerin der Koelnmesse gewirkt. Heute wird sie uns erklären, wie sie gewissermaßen als Spätberufene noch zur Start-up-Unternehmerin geworden ist und wie das MyHomice-Modell genau funktioniert.

Ich freue mich sehr über unseren heutigen Gast, Katharina Hamma.

Katharina Hamma: Ich freue mich auch sehr, hier zu sein. Herzlichen Dank für die Einladung.

Wir sprechen ja heute über das Trendthema New Work und Home-Office, und zwar unter einem ganz besonderen Aspekt, nämlich der Büroausstattung. Da haben Sie mit Ihrem Unternehmen MyHomice einiges beizutragen, damit die Arbeitnehmer in ihrem Home-Office daheim ordentliche, ergonomische Möbel bekommen. Das ist sicher unser großes Gesprächsthema heute. Wir würden aber gerne einsteigen mit den üblichen Köln-Fragen, die wir bei Wirtschaft Köln unplugged haben. Zum Beispiel dieser: Wo fühlen Sie sich hier in Köln wohl?

Eigentlich fühle ich mich hier in Köln grundsätzlich überall wohl, weil Köln so vielfältig ist – und vor allem auch so jung, durch die vielen Hochschulen, die hier sind. Damit hat Köln auch eine sehr schöne Kulturszene, die auch unplugged ist, wenn man das so sagen kann. Ich bin ja aus München hierher gezogen und München ist in diesem Bereich sehr etabliert und konservativ. Genau diesen Spannungsbogen fand ich immer sehr interessant.

Gibt es einen ganz konkreten Lieblingsort, den Sie hier haben?

Nein, es gibt viele Lieblingsorte. Da ich in meiner früheren Tätigkeit extrem viel gereist bin, war mein Lieblingsort immer zuhause.

Auf Ihre Tätigkeit in der Messewirtschaft kommen wir gleich noch zu sprechen. Gibt es denn etwas, das Köln verbessern müsste oder könnte?

Ja. Ein Thema, bei dem ich mir regelmäßig die Haare raufe, ist die Selbstzufriedenheit von Köln, in Absichtserklärungen stecken zu bleiben und die Themen nicht zur Vollendung zu bringen. Das zieht sich durch die vielfältigsten Themen und ist, glaube ich, am stärksten in der Verwaltung ausgeprägt.

Haben Sie da ein konkretes Beispiel, vielleicht aus Ihrer vorherigen Tätigkeit bei der Koelnmesse?

Ich würde da gar nicht von speziellen Anlässen ausgehen. Das Letzte, was auffällig war nach außen, ist, dass Köln nach Ausbruch des Krieges in der Ukraine eine unheimliche Solidaritätsbekundung der Ukraine gegenüber gezeigt hat, mit rund 250.000 Demonstrierenden an Rosenmontag. Und die Berichterstattung danach über die Probleme der Verwaltung in der Abwicklung waren, gelinde gesagt, sehr beschämend.

Spielen Sie auf die kalte Messehalle an?

Nein, ich spiele nicht unbedingt auf die kalte Messehalle an, sondern darauf, dass man donnerstags um 12:30 Uhr den Flüchtlingen sagt, man sollte bitte nächste Woche nochmal kommen, weil man keine Wartemarken mehr hätte und das innerhalb der normalen Arbeitszeit nicht abarbeiten kann.

Gibt es denn auch etwas, bei dem Köln unterschätzt wird?

Ja, das ist auf jeden Fall die Vielfalt in der Kultur. Das wird von außen nicht gut erkannt. Ein bisschen hat das auch damit zu tun, dass sich Köln nach außen hin zumindest in der Vergangenheit sehr stark über die Kirche, Karneval und Konsum definiert hat. Jetzt müsste das K umgeändert werden in das Thema Kultur und in die Kulturszene, die hier ist.

Sie sprachen eben an, Sie kommen aus München. Heißt das dann auch, Sie sind Bayerin, Sie sind in München aufgewachsen?

Nein, ich bin in Berlin geboren, aber ich bin in Düsseldorf aufgewachsen.

Und dann waren Sie an der Fachhochschule Niederrhein und haben erst einmal etwas ganz Spezielles gelernt – Sie sind nämlich Bekleidungsingenieurin geworden.

Das ist richtig, ich bin sozusagen der studierte Schneider. Mit der Diplomarbeit hatte ich aber schon ein innovatives Thema für die Industrie betreten, nämlich wie man mit Desktop-Publishing-Software auch Design und Entwurfstechnologien machen kann. Bis dahin gab es nur große, geschlossene Anlagesysteme mit einem Investitionsvolumen von damals noch rund einer halben Million DM, um überhaupt in die Digitalisierung reinzukommen. Das war dann sozusagen ein Investment, bei dem man ein bis zwei Nullen streichen konnte und das war natürlich für die Industrie sehr interessant. Deswegen hatte ich auch viele Jobangebote, als ich fertig war, und bin dann erst einmal in die Industrie gegangen

Ich war bei Dürkopp Adler in der Entwicklungsabteilung verantwortlich für Demo-Training und Customer Support für wirkliche Hochtechnologien, nämlich Wasserstrahlzuschnitt und Ultraschallzuschnitt-Technologien. Das betraf vor allem die Automobilindustrie und die Polstermöbel-Industrie beim Thema Einsparung – im Vergleich zu Stanzen und Messern, die geschliffen werden müssen.

Dann waren Sie im Maschinen- und Anlagenbau richtig drin, sind aber irgendwann in die Messewirtschaft gewechselt. Wie kam es dazu?

Das Thema Messe hat mich in meinem Berufsleben, also auch schon vorher, immer begleitet. Wir haben in Düsseldorf in der Nähe der Messe gewohnt und waren natürlich sehr interessiert an den großen Publikumsveranstaltungen, die dort stattgefunden haben – wie zum Beispiel die „Boot“. Das war ein Pflichtprogramm für die Familie, weil wir alte Segler sind. Ich habe dann als Hostess und als Model mein Studium finanziert und hatte im Berufsleben im Maschinenbau natürlich sowohl als Aussteller als auch als Besucher immer mit Messen Kontakt. Das fand ich etwas sehr Faszinierendes.          
Ich hatte dann einen persönlichen Break und um einfach etwas anderes zu machen, habe ich bei der Messe München als Hostess angefangen. Dann habe ich mich bei einem neuen, spannenden Projekt der Inbetriebnahme des neuen Messegeländes auf dem alten Riemer Flughafen beworben und bin auch sofort genommen worden, für den Aufbau der gesamten Servicebereiche rund um das Messewesen. So habe ich sozusagen bei der Messe München meine Karriere bis zur Prokuristin hin verfolgt.

13 Jahre lang waren Sie dort, oder?

14 sogar.

Dann steckten Sie sehr tief in der Messeszene, haben dann einen Ruf nach Köln bekommen und sind dem gefolgt?

Das ist richtig. Dem bin ich gefolgt und war dann etwas mehr als sieben Jahre als Geschäftsführerin der Koelnmesse verantwortlich für alle Veranstaltungen hier am Standort Deutschland.

Und welche Messe ist besser, Köln oder München?

Ach, das kann man so nicht sagen. Das Portfolio ist total anders. Ich hatte in München ein Portfolio, zu dem man keine emotionale Beziehung aufbauen konnte. So eine Abwasserpumpe ist einfach nicht wirklich sexy. In Köln hatte ich ein Portfolio, bei dem man auch durchaus persönliche Neigungen zu den Themen hat und die dann auch emotionalisierter sind.

Sie haben konkret auch Messen betreut, die stärker zu unserem Thema führen: Die Möbelmesse IMM, Orgatec und interzum, bei der auch die Büromöbelhersteller und Zulieferer vertreten sind.

 

Man muss das so sagen: Die IMM ist die Messe für die Privathaushalte, die Orgatec ist die Messe für Arbeitswelten und die interzum ist sozusagen die Zulieferer-Messe für die gesamte Einrichtungswelt.

Verstehe. Aber damit hatten Sie sozusagen auch tiefe Kontakte zu den Herstellern und Händlern aus der Möbelszene.

Ja, und was für mich vor allem so unglaublich faszinierend war: Bei der erste Interzoom, mit der ich zu tun hatte, war der Chefentwickler von Dürkopp Adler, der damals den Wasserstrahlzuschnitt betreut hat. Er hatte sich in der Zwischenzeit, nachdem Dürkopp Adler diese Sparte zugemacht hat, mit dem Thema selbstständig gemacht – und es war noch genau die gleiche Technologie, mit der ich Anfang der 90er Jahre zu tun hatte. Das fand ich sehr interessant, wir mussten beide schmunzeln.

Nach dieser langen und erfolgreichen Zeit der Messekarriere haben Sie 2020 bei der Koelnmesse aufgehört. Dann sind Sie im letzten Jahr, 2021, zur Gründerin geworden. Im Alter von 55 Jahren – das haben Sie auch herausgestellt, deshalb sage ich das – plötzlich zuhause in der Gründerszene. Mit einer Geschäftsidee, die Sie vielleicht am besten selbst einmal schildern.

Mein Vertrag mit der Koelnmesse lief 2020 aus und ich hatte von Grund auf vor, mich selbstständig zu machen. Ich wollte ursprünglich in das Messewesen rein, hatte auch schon den Markeneintrag – und dann kam Corona.

Ins Messewesen rein, das heißt, eine eigene Messe machen?

Genau. Und dann kam Corona und es hat sich doch sehr viel komplett anders entwickelt. Das hat mir gezeigt, dass das Messewesen zumindest in der Form erst einmal mittelfristig keinen Bestand mehr hat. Und dass man als Privatunternehmer auch mit den Subventionierungsmöglichkeiten, die die „öffentlich-rechtlichen“ haben, nicht unbedingt im Wettbewerb stehen kann beziehungsweise sollte, vor allem, wenn man mit einem Projekt im Neuanfang ist

Können Sie sagen, in welchem Bereich das gespielt hätte?

Nee, ich würde es gerne später irgendwann ausspielen, deshalb würde ich ungern darüber reden.

Dann habe ich das gemacht, was man im Messewesen eigentlich immer macht: Man guckt sich Märkte und gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklungen an. Wir sind ja Anfang 2020 sozusagen in ein absolutes Live-Experiment, in ein Massenexperiment, geschickt worden, nämlich das Thema Home-Office – das war ja dann angeordnet. Es gab vorher schon Intentionen, auch von Betriebsräten, in die Richtung zu arbeiten, aber das wurde von den Arbeitgebern noch sehr vielschichtig betrachtet und man konnte sich das noch nicht richtig vorstellen. Es gab zwar schon Videokonferenzsysteme, aber die wurden je nach Neigung und Ausrichtung der Unternehmen doch sehr spärlich genutzt. Die staatliche Anordnung, dass alle Arbeitsplätze, die Bürotätigkeiten sind, ins Home-Office müssen, war sozusagen eine Art von Massenexperiment.

Jeder, der konnte, sollte von zuhause arbeiten und war natürlich dafür nicht unbedingt ausgerüstet. Das endete dann mitunter am berühmten Küchentisch.

Das ist bis heute noch ansatzweise so. Und da wir mit der Orgatec auch gemeinsam eine umfangreiche Neu- und Repositionierungskonzeption erfolgreich umgesetzt haben, war mir sehr schnell klar, dass sich für diese Branche ein neuer Absatzmarkt auftut, den sie in ihrer derzeitigen Handels- und Absatzstruktur noch überhaupt nicht im Fokus haben und deren Absatzkanäle auch für diese Kleinteiligkeit überhaupt nicht ausgerichtet sind

Das heißt, mit dem Unternehmen, das Sie dann gegründet haben, myHomice, sind Sie eine Plattform für den Vertrieb von Büromöbeln. Kann man das so sagen?

Ja, das ist ein digitaler Marktplatz für Home-Office-Einrichtungen, auf dem Unternehmen und alle Personen einkaufen können, die daran interessiert sind. Aber der USP des Marktplatzes ist, dass Unternehmen, die ihren Mitarbeitern im Home-Office etwas Gutes tun beziehungsweise ihrer Fürsorgepflicht nachkommen wollen, von der Plattform Gutscheine kaufen können – in der Summe frei wählbar. Die Mitarbeiter können sich mit dem Gutschein die Produkte aussuchen, die ihren persönlichen Bedürfnissen entsprechen. Denn: Nur 35 Prozent der Inhaber von Büroarbeitsplätzen hat überhaupt ein eigenes Arbeitszimmer, der Rest muss das irgendwie in die Wohnung mit integrieren Und vor allen Dingen kann der Mitarbeiter auch einen persönlichen Geschmack einbringen. Es ist ja so, dass im Unternehmen die Unternehmens-CI bei der Neunbeschaffung von Möbeln meistens durchgezogen wird.

Das sieht dann alles gleich aus.

Genau, und wenn Sie 200 Stühle kaufen für Ihre Mitarbeiter, dann haben sie ungefähr 190, die erklären, warum das optisch nicht unbedingt bei ihnen zuhause reinpasst, oder vom Drehkreuz her nicht durch besondere Türen passt. Solche Themen decken wir damit ab.

Die Gutscheinlösung ist der USP, also das Alleinstellungsmerkmal.

Das ist richtig. Das ist aber nicht das Gutscheinsystem im allgemeinen Sinne, dass ein Unternehmen den Gutschein kauft und dann an den Mitarbeiter weitergibt, sondern der Unternehmer gibt nur eine Zahlungsverpflichtung ab. Das heißt, das Konto des Unternehmens wird erst dann belastet, wenn der Mitarbeiter sich auch ein Produkt bestellt hat.

Und wenn man, sagen wir mal, einen 1000-Euro-Gutschein vom Arbeitgeber bekommt, aber man möchte gerne für 2000 einkaufen?

Dann kann man selbstverständlich das Geld noch draufzahlen.

Und wenn man ihn nicht ausschöpft, kann man sagen: „Dann geh ich bei IKEA vorbei und hol mir noch die Kerzen“?

Das ist genau der Punkt: Wir kuratieren die Produkte, die bei uns auf dem Marktplatz sind. Und der Arbeitgeber hat über diese Methode die Garantie, dass die Produkte der Arbeitsstättenverordnung entsprechen und dass sie eben diese Ergonomie haben. In den letzten anderthalb, zwei Jahren wurde von Arbeitsrechtlern häufig empfohlen, dass man als Unternehmen den Mitarbeiter für’s Home-Office eine Pauschale bezahlt, mit der diese Themen alle abgedeckt sind. Aber man weiß überhaupt nicht, ob diese Pauschale nicht als versteckte Gehaltserhöhung mitgenommen wird und ob der Mitarbeiter das Geld auch tatsächlich in eine ergonomische Einrichtung investiert. In diesem System hat der Arbeitgeber eine größere Steuerungsmöglichkeit, denn die Krankenkassen schreien schon auf. Im Jahr 2020 haben die Rückenleiden um sieben Prozent zugenommen. Das ist auch deshalb ein Pain Point für die Krankenkassen und für die Berufsgenossenschaften, weil die Durchschnittskrankentage eines Rückenkranken 21 Tage sind. Das ist also eine Belastung für die Sozialsysteme.

Auf jeden Fall. Sie kuratieren, das heißt, Sie listen auf ihrer Plattform nur solche Möbel, die sowieso einen bestimmten Mindeststandard an Ergonomie haben und haben, glaube ich, auch die Verwaltungsberufsgenossenschaft zu Rate gezogen, um eine Art Klassifizierung zu erstellen?

Ja, wir haben den sogenannten myHomice-Ergonomie-Index entwickelt, der mit drei verschiedenen Ergonomieblättern klassifiziert – also je mehr Blätter, desto ergonomischer. Wir haben uns an den Empfehlungen der Verwaltungsberufsgenossenschaft ausgerichtet, die diese für die Einrichtung von mobilen Arbeitsplätzen, zum Beispiel in einem Hotel, abgeben. Da ist auch genau klassifiziert, dass zum Beispiel bei einem Produkt mit nur einem Ergonomieblatt nicht empfohlen wird, das Produkt den ganzen Tag zu verwenden, sondern dass man damit gegebenenfalls nur ein paar Stunden arbeitet. Das sieht man auch sehr deutlich, wenn man in die klassische Büroeinrichtung geht: Der Bürostuhl, der an dem Schreibtisch steht, hat immer die Ergonomieklasse von drei Blättchen beziehungsweise die volle Ergonomie. Und die Stühle an einem Besprechungstisch sind auch in einem Büro mit anderen Untergestellen ausgerüstet, weil man davon ausgeht, dass man darauf nicht so lange sitzt.

Also wer bei Ihnen über einen Gutschein bestellt, weiß genau, wie ergonomisch es ist. Sitzen die Leute auch Probe oder gibt’s das nicht? Das ist ja bei Online-Handel schwierig.

Diese Fragestellung kommt immer wieder und dann gebe ich einfach zurück: Auf welchem Bürostuhl konnte denn jemals ein Mitarbeiter Probe sitzen? Die Stühle sind von Haus aus so justierbar, dass sie für die gängigsten Körpergrößen und Körpergewichte geeignet sind und dass man den Stuhl entsprechend einstellen kann. Natürlich kommt von dem Hersteller auch eine entsprechende Bedienungsanleitung, damit man auch weiß, wie man ihn für sich am besten einstellt.

Wie groß ist im Schnitt der Warenkorb, den Sie haben?

Der Warenkorb liegt im Schnitt bei 500 bis 600 Euro.

Machen das die Unternehmen freiwillig? Jetzt müssen wir vielleicht auch ins Rechtliche reingucken. Ich frage mal ganz dumm: Was ist denn überhaupt Home-Office?

Wenn man zurückblickt, gibt es zwei rechtliche Regelungen. Die eine ist die Regelung zur Einrichtung eines Telearbeitsplatzes. Die kam Ende der 90er Jahre raus. Da ist der Arbeitgeber komplett verantwortlich für die gesamte Einrichtung und Ausstattung des Büros zuhause in einem geschlossenen Raum und das geht bis zu Steckdosen, Kabelführung, Lichteinfall und so weiter. Das ist also eine sehr aufwändige Implementierung. Die zweite rechtliche Regelung ist eine, die Mitte der 2000er Jahre aufkam, als die ganzen Mobile Devices, also Laptops und so weiter, als Arbeitsgeräte aufkamen. Dort hat man vor allem die Arbeitszeitfassung im Vordergrund gesehen, also dass ein Mitarbeiter es als Arbeitszeit anrechnen kann, wenn er im Zug sitzt, im Flugzeug oder abends im Hotel. Bei diesem Gesetz war niemals der Gedanke, dass man damit jemanden ganztägig ins Home-Office schickt.

Jetzt setzt es sich ja durch, dass man heutzutage sagt, „Ich würde gerne hybrid arbeiten“, also zwei, drei Tage von zuhause aus. Ist das dann Telearbeit?

Als die Corona-Pandemie ausbrach und das Home-Office kam, war das für alle eine Überforderung. Deshalb haben die Unternehmen in den Betriebsvereinbarungen ihre Mitarbeiter in das mobile Arbeiten geschickt. Damit war die Ergonomie am Arbeitsplatz aber nicht geregelt.

Mobiles Arbeiten ist auch der juristische Begriff?

Ja, das ist der juristische Begriff dafür.

Das machen jetzt im Augenblick alle Leute?

Das ist sozusagen der heutige Standard und viele Unternehmen sagen, dass das auch gut lief. Noch sind wir im Pandemiestatus, da greife ich noch nicht unbedingt vor, aber ich weiß, dass ver.di vorhat, das Thema Ausstattung – und zwar ergonomische Ausstattung, nicht nur technische Ausstattung – im Home-Office mit in die Tarifverhandlungen aufzunehmen, weil sie das auch geregelt haben möchten. Und da bieten wir eine relativ funktionale Vorgehensweise an, bei der das Unternehmen auch ein Stück weit entlastet wird von Themen wie dezentralem Betriebsvermögen, das ja auch einer Inventur unterzogen werden muss.

Das müssen Sie nochmal erklären. Also angenommen, dass das Unternehmen fortschrittlich ist und den Leuten etwas zur Verfügung stellt, aber es im Besitz des Unternehmens bleibt, dann wäre es dezentrales Betriebsvermögen?

Genau, und einen Laptop oder Monitor kriegen Sie noch einfach zurück ins Unternehmen. Aber einen Schreibtisch oder einen Bürostuhl, das ist dann schon ein bisschen komplizierter.

Also Sie sagen schon, das sollte dann in das Eigentum des Arbeitnehmers übergehen?

Ja, das sollte in das Eigentum des Arbeitnehmers übergehen, auch schon deswegen, weil man ja den Geschmack des Arbeitnehmers und nicht die CI des Arbeitgebers abbildet. Und was macht der Arbeitgeber hinterher mit 200 völlig unterschiedlichen Stühlen?

Das ist interessant. Also Pandemie ist ja zumindest gerade abgesagt, die Home-Office-Pflicht gilt gerade nicht mehr. Aber Sie sagen, dieses Thema kommt jetzt erst massiv auf die Unternehmen zu, durch diesen Trend zum hybriden Arbeiten?

Ja. Das kommt einmal dadurch, dass viele Arbeitnehmer auch mitbekommen haben, welche Vorteile sie im Home-Office haben und feststellen, dass sich viele Aufgaben im Home-Office einfach besser machen lassen. Sie sind auch nicht so belastet durch Anreisen, gerade hier in Ballungszentren wie Köln, wo morgens der Ring komplett zu ist und man sehr viel Zeit im Stau verbringt. Daher kommt jetzt auch der zunehmende Wunsch und auch Druck der Arbeitnehmer, die sagen, ich kann mir durchaus vorstellen, dass ich zwei, drei Tage im Home-Office bin und zwei, drei Tage im Unternehmen. Dann sieht aber auch die Arbeit im Unternehmen total anders aus. Das ist also auch nochmal ein Schub in diese Richtung, weil Kommunikationsräume im Unternehmen anders aussehen müssen als flächig verteilte Schreibtische, an denen jeder seinen Individualaufgaben nachgeht.

Können wir vielleicht versuchen, das rechtlich auf den Punkt zu bringen? Also muss ein Arbeitgeber zurzeit schon den Leuten die Ausstattung zuhause bezahlen?

Nein, das muss er nicht, aber er ist in der Haftung, wenn etwas passiert.

Jetzt sagten Sie, ver.di ist an dem Thema dran und versucht, das demnächst auch tariflich zu fassen. Und tatsächlich, der Leiter der Grundsatzabteilung von ver.di sagt auch, ich zitiere mal, „Wenn Beschäftigte einen großen Teil ihrer Arbeitszeit zuhause verbringen, ist es absolut notwendig, dass der Arbeitgeber die entsprechende Ausstattung zahlt.“ Er sagt, „absolut notwendig“. Ist das eine moralische Verpflichtung, die da durchkommt, oder ist das schon juristisch griffig?

Momentan ist das eine moralische Verpflichtung. Sobald es in einen Vertrag gegossen wird oder in ein Gesetz, ist es auch eine juristische Verpflichtung.

Und Sie gehen davon aus, dass das passieren wird?

Ja, einmal, weil es wie gesagt absolut notwendig ist, wenn ich die Worte von dem ver.di-Vertreter nehme. Man spürt schon, zumindest aus der gewerkschaftlichen Sicht, einen entsprechenden Druck.  Das Gleiche gilt auch innerhalb des Arbeitsministeriums, da wird auch an Konzepten gearbeitet. Die kenne ich nicht im Detail, aber das ist alleine schon von der Ausrichtung des Ministeriums ein Thema, mit dem wir uns befassen müssen.

Ich stelle mir das trotzdem sehr kompliziert vor. Sie sagten ja eben, bei den Telearbeitsplätzen geht es so weit, dass die Steckdose überprüft werden muss, damit man sich keinen Kurzschluss einfängt. Das hieße ja auch, dass die Privatsphäre auf eine Art ein bisschen aufgehoben wird, weil der Arbeitgeber auch vorbeischauen muss, ob alles so eingerichtet ist, wie es zu sein hat, um die Gefährdungsbeurteilung zu machen.

Da bin ich voll bei Ihnen. Das ist auch der Grund, weshalb der Telearbeitsplatz eigentlich kaum eingerichtet wurde. A, weil es sehr teuer war und B, weil auch eine gewisse Übergriffigkeit dahinter ist, in das Privatleben des Mitarbeiters Einsicht zu bekommen. Man muss dazu sagen, dass die Arbeitsstättenverordnung auch eigentlich einer Überarbeitung bedarf, weil sich andere Grundsätze hinter vielen Dingen verbergen. Die Tischtiefe bezog sich zum Beispiel damals noch auf Röhrenbildschirme, also diese tiefen Bildschirme. Die stehen glaube ich nirgendwo mehr, alle haben Flachbildschirme oder eben einen Laptop. Man müsste das Thema also auch in diese Richtung überdenken, aber das überlasse ich den Fachleuten.

Das stimmt. Das würde eigentlich heißen, da reicht jetzt auch so ein Klappsekretär, bei den kleinen Bildschirmtiefen?

Absolut. Der Abstand, den ich zum Monitor habe, ist dann immer noch der gleiche wie bei 80 Zentimetern Mindesttiefe, wenn der Monitor alleine schon 30 Zentimeter Tiefe hat.

Spüren Sie denn auf Ihrem neuen Geschäftsfeld viel Konkurrenz?

Ja, es gibt natürlich viele Bereiche, die in diese Segmente reingehen. Die Wettbewerber haben aber eine etwas andere Herangehensweise, indem sie für jeden Arbeitgeber einen eigenen Shop kreieren, bei dem der Arbeitgeber dann eine Möbelauswahl kuratiert vortrifft. Das ist für große Unternehmen durchaus interessant, aber das ist nicht lukrativ für den gesamten Mittelstand.

Das heißt, Sie sind auf den Mittelstand aus?

Nicht nur, ich bin offen für alle – aber so, dass man eine große Produktvielfalt hat und dass sich da jeder wiederfindet.

Und wo fängt bei Ihnen die Nachfrage an? Also ist das eher auf Seite der Unternehmen, die sagen „Ich fühle mich verantwortlich und die Gutscheinlösung ist für mich passend“, oder sind das Arbeitnehmer, die auf Sie aufmerksam werden und dann ihrem Chef sagen „Guck mal, da könnte ich einkaufen“?

Das ist noch der zweite Weg, den Sie beschrieben haben, dass also der Antrieb eher von den Arbeitnehmern kommt. Viele Unternehmen sind noch in den internen Überlegungen, wie sie in Zukunft grundsätzlich mit dem Thema umgehen. Aber man merkt schon, dass dort ein großes Umdenken stattfindet. Ich selbst bin jetzt auch Vermieter und ich habe heute Mittag ein Gespräch mit einem meiner Mieter geführt. Sie haben gesagt, dass sie nach Beendigung der Vertragslaufzeit in anderthalb Jahren gerne diese Immobilie aufgeben wollen, weil sie Mitarbeiter in Irland, Spanien und ganz Europa haben und weil sich gerade im kreativen Bereich völlig neue, andere Arbeitsformen ergeben haben. Gerade bei den jungen Mitarbeitern, die einfach mehr Freiheiten haben möchten.

Wie machen Sie auf sich aufmerksam? Ich habe von anderen Gründern gehört, die gesagt haben „Jetzt bereiten wir alles vor für den großen Big Bang“, die Homepage geht online und dann saßen sie alle davor und warteten auf den Traffic. Und natürlich passiert erst mal gar nichts. Denn dann sind zwar eine Homepage oder ein Marktplatz mehr in der Welt, aber man muss ja auch erst einmal auf sich aufmerksam machen.

Wenn Sie die Website live haben, dann werden Sie erst einmal gar nicht gefunden, weil alleine Google schon eine Weile braucht, bis Sie in die Crawl-Mechanismen reinkommen und dort auch gefunden werden. Es ist schon eine Aufbauarbeit, dass die Website nicht nur für den Konsumenten, sondern auch für Google entsprechend aufbereitet ist, dass Sie auch darüber gefunden werden. Und zwar nicht nur, wenn man den Namen korrekt eingibt, sondern auch, wenn man unter Begrifflichkeiten sucht. Wir sind zum Beispiel bei dem Begriff „Schallschutzlösung im Home-Office“ schon auf Position 1.

Nicht bezahlt, sondern organisch?

Genau, und im Bereich „Sichtschutz im Home-Office“ sind wir schon auf Position drei. Das war vor zwei, drei Wochen. Man kommt über diese Nischenthemen natürlich einfacher rein. Der Bereich Home-Office an sich ist ein großer, überbauender Begriff, da wird auch im Moment sehr viel bezahlt. Auch von denjenigen, die Produkte haben, die eigentlich für dieses Thema und gerade für die Ergonomie nicht unbedingt optimal sind. Aber da bin ich sehr zuversichtlich, das kommt auch noch.

Und was sagen die Hersteller dieser Möbel, die Sie da listen, also Living Chairs, Standsome oder Leuwico? Sagen die zu Ihnen „Frau Hamma, wir kennen uns zwar von früher, aber wir kommen schon alleine klar, wir haben unsere eigenen Absatzwege“?

Ich bin ja nicht der exklusive Absatzweg, überhaupt nicht. Ich bin ein zusätzlicher Absatzweg und für die Hersteller entstehen keine Kosten, wenn ihr Produkt auf meinem Markt nicht verkauft wird. Das ist also ein zusätzliches Add-on-Geschäft, das sie sehr gerne begleiten, weil sie das Potential sehen, das das in der Zukunft haben kann.

Also sie kooperieren mit Ihnen, weil es für sie auch keinerlei Risiko bringt?

Genau.

Ist es denn so, dass Sie noch viele Kontakte von früher haben und auch gezielt daran arbeiten?

Da bin ich natürlich ganz gezielt herangegangen. Aber ich habe festgestellt, dass die Möbelindustrie nicht immer mitgeht, wenn es um disruptive Geschäftsmodelle geht. Die Unternehmen haben ein Problem mit dem Drop Shipment, also damit, ein einzelnes Produkt zu einer Adresse zu liefern. Das macht noch logistische Probleme, weil sie von ihrer Ausrichtung der Geschäftsprozesse immer noch sehr stark auf das „Es fährt ein Lkw zu einem Lager“ ausgerichtet sind.

Wie lösen Sie das?

Das kommt mit der Zeit. Und das bin auch nicht ich, die das löst. Ich denke mal, dass früher oder später auch da ein entsprechendes Umdenken stattfindet.

Es entstehen ja aber wahrscheinlich etwas höhere Logistikkosten, weil einzelne Kuriere ausfahren und ausliefern müssen, oder?

Das ist richtig.

Und Sie selbst sind beteiligt über eine Provision, nehme ich mal an?

Ja, genau.

Ich habe eine interessante Statistik vom Industrieverband Büro und Arbeitswelt gesehen, das ist der Verband der Hersteller. Die haben bei den Entscheidern nachgefragt, also denjenigen, die Büros ausstatten, „Wie viele eurer Mitarbeiter sagen ‚Ich brauche Hilfe bei der Büroausstattung’?“ Das waren 58 Prozent. Also Hilferufe sozusagen, die auch wahrgenommen wurden. Aber tatsächlich geholfen hat nicht einmal ein Drittel der Leute. Das heißt, dieser Hilferuf wurde weitgehend ignoriert. Elf Prozent haben bezuschusst, neun Prozent haben es leihweise zur Verfügung gestellt und neun Prozent haben tatsächlich neue Möbel angeschafft, also das, was Sie glaube ich auch propagieren. Dann gab es noch einen ganz kleinen Anteil von unter einem Prozent für Leasing-Modelle. Wie lesen Sie diese Statistik?

Dass die Arbeitgeber in dem Thema noch sehr vorsichtig sind, hat auch immer damit zu tun, welche Segmente Sie in den Arbeitswelten befragen. Die Unternehmen, die in dem „War for Talents“ sind, sind solchen Themen gegenüber wesentlich aufgeschlossener, als diejenigen, die aus einer klassischen Struktur kommen und die mit dem halben Hinterkopf auch immer ihre Anzahl von Mitarbeitern hinterfragen. Da ist man in einem absoluten Spannungsbogen, wer sich stärker um neue Mitarbeiter bemühen muss und wer eher vorsichtiger in den Bereichen ist.

Kann man da moralisch werden und sagen, da sparen Unternehmen auf dem Rücken ihrer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen? Wenn sie sie nach Hause schicken und sagen „Dann haben wir ein bisschen Bürofläche frei und können sie vielleicht anderweitig nutzen oder sogar die Miete loswerden“?

Das ist ein Stück weit die Befürchtung, die die Gewerkschaften bei dem Thema auch haben. Ich habe als Vermieter genauso eine Argumentation heute zu hören bekommen. Das kann durchaus auch ein Ansatz sein. Nur, wenn man seine Mitarbeiter nicht wertschätzt, dann kommt man mit den Mitarbeitern auch nicht weit, generell im Berufsleben. Deshalb ist da auch die Frage, wann ein Umdenken kommt.

Viele Statistiken deuten darauf hin, dass die Leute gerne durchaus zwei, manchmal auch drei Tage pro Woche zuhause arbeiten. Sie haben es probiert, haben auch ein bisschen Gefallen daran gefunden. Glauben Sie, dass sich diese Zahl noch verschiebt, dass der Trend „Ich muss in’s Büro“ wieder stärker wird? Oder wird es bei diesen zwei, drei Tagen bleiben?

Ich denke, dass sich das bei den zwei, drei Tagen einpendeln wird. Wenn man seine normale Büroarbeit früher reflektiert hat, dann sind rund 50 oder 60 Prozent kommunikative Tätigkeiten mit den Kollegen. Aber all das, was ich an meinem Schreibtisch machen kann, kann ich auch sehr gut zuhause machen mit den neuen Technologien.

Wie halten Sie das persönlich? Trennen Sie zwischen zuhause arbeiten und im Büro?

Nein, ich arbeite von zuhause aus. Das war auch ein Stück weit meiner Lebenssituation geschuldet. Mein Mann hatte Krebs, ist mittlerweile auch verstorben, und deshalb brauchte ich eine Tätigkeit, die ich auch von zuhause aus machen kann, damit ich ihn noch mitversorgen kann. Das war ursprünglich die Motivation, die auch hinter diesem Konzept stand. Ich habe mein Team über Deutschland verteilt, wir machen alles über Remote Work und es klappt wunderbar.

Wie groß ist das Team inzwischen?

Wir sind zu fünft.

Was ist das für ein Gefühl jetzt? Sie haben jahrelang in Unternehmen in straffen Strukturen gearbeitet, dort auch an der Spitze gestanden, in der Geschäftsführung. Und dann plötzlich freischwebend und Gründerin. Ist das eine Befreiung oder ist es auch manchmal so, dass Sie sagen „Oh, das macht mir Angst“?

Beides. Es ist auf der einen Seite eine Befreiung, weil ich keinen Terminkalender mehr habe, bei dem ich schon anderthalb Jahre im Voraus weiß, dass ich an einer Familienfeier nicht teilnehmen kann. Das sind Einschränkungen, gerade im Messewesen mit festen Terminen, mit denen ich immer operieren würde. Auf der anderen Seite hatte man früher auch viele Menschen, an die man etwas weitergeben konnte – und ich kann nur sagen, meine digitale Lernkurve war steil.

Was sagen denn die Leute aus Ihrem ehemaligen Umfeld, als sie gehört haben, dass Sie sich jetzt selbstständig machen?

Die finden das eigentlich ganz spannend und interessant. Interessanterweise hat mir ein Messe-Fachmagazin aus Indien eine Interviewanfrage geschickt. Sie wollen die Hintergründe wissen, was für mich die Motivation war, aus dem Messewesen herauszugehen, und finden diese Entwicklung auch ganz spannend. Ich werde beobachtet, wie sich das entwickelt.

Ein indisches Fachmagazin wird dann über myHomice berichten?

Ja, offensichtlich.

Das ist sehr spannend. Ich finde das sehr beeindruckend, auch, dass Sie dieses Gründer-Gen nochmal entdeckt haben. Ich hätte sehr gerne gewusst, in welche andere Richtung es gegangen wäre im Messewesen, aber das behalten Sie für sich. Das heißt, es scheint ja auch noch nicht ganz vom Tisch zu sein.

Nein, ich komme selber aus einer Unternehmerfamilie. Mein Vater ist selbst noch heute aktiv, mit 82 Jahren. Für den ist das außerhalb seiner Vorstellungskraft, irgendwann einmal nicht mehr zu arbeiten. Man hat verschiedene Lebensabschnitte, in denen man verschiedene Tätigkeiten macht, und auch mein Vater hat nochmal mit Mitte 50 erfolgreich neu angefangen.

In welchem Bereich?

Das waren damals die Altenpflegeheime. Mittlerweile hat er erfolgreich verkauft. Ich habe es einfach vorgelebt bekommen, dass es immer gewisse Abschnitte im Leben gibt, die auch der persönlichen Lebenssituation und dem gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umfeld entsprechen. Man kann nicht davon ausgehen, dass ein Produkt, das man vor 30 Jahren entwickelt hat, heute noch eine Berechtigung hat. Stichwort Faxgerät, Stichwort Telex, analoge Fotografie ist jetzt Nischenthema. Das sind die Veränderungen, die wir im Leben haben und die müssen wir erkennen, sehen und mitmachen.

Aber so gesehen sind Büromöbel mit Sicherheit ja Dinge, die man auch in Zukunft braucht.

Sitzen und etwas ablegen, das wird immer da sein.

Frau Hamma, das war ein sehr interessantes Gespräch, haben Sie herzlichen Dank.

Ja, ganz herzlichen Dank, immer gerne wieder!


Dieser Podcast ist zuerst im Mai 2021 bei Wirtschaft unplugged Köln erschienen